„ ...die Mädchen waren für uns eher wie Kumpels.“

 

Der Autor Thomas Maiwald im Gespräch mit Illustrator Mathias Rätsch über seine erste Buchveröffentlichung „Liebe ist Gewühle“, warum man in seiner Schulzeit noch Kind sein durfte und in wen er einst unsterblich verliebt war.

 

Herr Maiwald, wie kamen Sie darauf, die Anekdoten Ihrer Schüler zu sammeln, um diese in einem Buch zu veröffentlichen?

TM: Schon als Jugendlicher fand ich Stilblüten aus Schüleraufsätzen sehr witzig. Als ich nun Lehrer wurde und sozusagen an der Quelle saß, habe ich in einer Kladde die Anekdoten, die in meinem Unterricht passierten oder mir von Kolleginnen erzählt wurden, aufgeschrieben. Die Idee aus dieser Sammlung ein Buch zu machen kam mir vor zwei Jahren. Während der Abschlussfeier meiner damaligen 4. Klasse habe ich einige Anekdoten vorgelesen, und Schüler wie Eltern haben sich ausgeschüttet vor Lachen. Danach kam mir der Gedanke, dass es doch schön wäre, wenn sich noch mehr Leute über diese Geschichten amüsieren könnten.

 

Warum sollte man Ihr Buch unbedingt kaufen?

TM: Es gibt mindestens vier gute Gründe für den Kauf dieses Buches:

Erstens: Der Leser hat reichlich Gelegenheit herzhaft zu lachen. Zweitens: Man sieht, dass die Schule nicht nur aus Pisa-Schock und Bildungsreformen besteht. Drittens: Die quälende Frage nach dem nächsten Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk ist schon beantwortet. Viertens: Der Kauf ist eine gute Tat, denn man unterstützt Not leidende Selbstverleger; sprich: mich.

 

Ist es ein Kinderbuch oder auch für erwachsene Leser gedacht?

TM: Die Leser meines Buches sind eigentlich alle Menschen ab 10 Jahren. Wobei ich davon ausgehe, dass es eher von Eltern, Großeltern und Lehrern gelesen wird. Da aber heutzutage nichts unmöglich ist, kann es vielleicht auch zum Kultbuch der Jugendlichen werden, wenn zum Beispiel jemand wie Lena das Buch ganz „cool“ findet.

 

Die aus Ihrer Sicht liebste, komischste, originellste Anekdote – kurz erzählt?

TM: Komisch und originell sind sie alle. Eine lustige Geschichte ist gerade erst passiert. Mein Patenkind schickte mir eine Urlaubskarte, auf der es Folgendes schrieb: „Es ist auf dem Bauernhof, auf dem wir wohnen vor unseren Augen ein Kalb geboren. Heute grillen wir.“

 

Eine Frage, die alle Schülerinnen und Schüler immer wieder brennend interessiert: Wie waren Sie eigentlich selbst in der Schule? Waren Sie eher der fiese Streber oder sind Sie auch einmal sitzen geblieben?

TM: Diese Frage ist einfach zu beantworten. Ich war immer im Mittelfeld und habe die Zensurenskala voll ausgeschöpft.

 

Was waren Ihre Lieblingsfächer? Und passierten damals auch schon lustige Geschichten?

TM: Meine Lieblingsfächer waren Musik und Sport. Leider habe ich während meiner Schulzeit die lustigen Geschichten noch nicht aufgeschrieben. Spontan fällt mir aber unsere Biolehrerin ein. Sie sagte als es etwas lauter war: „Nehmt doch mal die Finger runter! Ich kann Andreas gar nicht verstehen.“ Schön war auch die Stunde, in der wir Rinderaugen sezieren mussten. Da sich unsere Lehrerin schon geekelt hatte die Regenwürmer anzufassen, mussten nun einige Mitschüler die Rinderaugen entsorgen. Tja, und das haben sie dann auch getan – auf der Mädchentoilette. Nach dem Motto: „Ich schau dir in die Augen Kleines.“ Sehr beeindruckend war auch die Deutschstunde, in der wir unsere Hausaufsätze vorlesen mussten. Nachdem Klaus mit dem Vorlesen fertig war, sollte er unserem Lehrer das Heft zeigen, weil es ein so gelungener Aufsatz war. Als unser Lehrer das Heft aufschlug, fing er an zu lachen. Das Heft war leer.

 

Was unterscheidet die Schule heute von Ihrer eigenen Schulzeit? Was hat sich verändert?

TM: Über diese Frage kann man ohne Probleme ein ganzes Buch schreiben. Deshalb versuche ich es mit einer kurzen Antwort: In meiner Schulzeit waren wir Kinder und durften es auch sein.

 

Was haben die KollegInnen und der Rektor gesagt, als bekannt wurde, dass Sie über „Ihre“ Schüler ein Buch schreiben?

TM: Die meisten sind schon sehr gespannt. Ich hoffe, sie mögen es und können beim Lesen den täglichen Stress für einen Augenblick vergessen.

 

Warum haben Sie das Buch eigentlich „Liebe ist Gewühle“ genannt?

TM: Der Titel entspringt natürlich auch einer Anekdote. Die ausführliche Erklärung gibt es im Buch.

 

In dem Buch geht es in einem Kapitel ja auch um die Liebe. Waren Sie in der Grundschulzeit eigentlich auch irgendwann unsterblich verliebt?

TM: Nein, zu der Zeit waren die Mädchen für uns eher wie Kumpels. Und im Gymnasium waren wir der letzte reine Jungenjahrgang. Wenn ich mir das heute so vorstelle, 36 Jungen in einer Klasse; unglaublich.

 

Das Buch enthält auch einige sehr anschauliche Bilder, die die einzelnen Kapitel illustrieren. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Illustrator Mathias Rätsch, der Sie in Ermangelung eines anständigen PR-Etats ja auch gerade interviewt...

TM: Tja, einer dieser 36 Jungen war ja nun auch Matze, der immer diese Comics zeichnete. Und wenn man halt in seiner Schulzeit so brav war wie wir beiden, dann muss man halt 30 Jahre später etwas total Verrücktes machen; wie zum Beispiel ein Buch herausbringen.

 

Sie bringen das Buch im Selbstverlag heraus. Das macht bestimmt eine Menge Arbeit.

TM: Ich denke, es geht mir wie allen Selbstverlegern, der Arbeitsaufwand ist größer als man zu Beginn vermutet. Auf der anderen Seite ist es sehr spannend sich in diesem neuen Umfeld zu bewegen und neue Erfahrungen zu sammeln. Wenn ich jetzt ein Buch in die Hände nehme, sehe ich es mit anderen Augen, weil ich weiß wie viel Arbeit drinsteckt.

 

Welche Aktivitäten haben Sie geplant? Gehen Sie zum Beispiel auf Lesereise?

TM: Auf jeden Fall werde ich Lesungen veranstalten, um den Lesern das Buch näher zu bringen.

 

Wo wird man Sie sehen können?

 TM: Hinsichtlich der Frage, wo die Lesungen stattfinden werden, bin ich völlig offen. Das kann in Buchhandlungen, Schulen, Cafés oder in Betrieben sein. Ich bin schon neugierig was sich in dieser Hinsicht ergibt und freue mich schon sehr darauf.

 

Welche Autoren und Bücher lesen Sie selbst gern? Haben Sie einen Tipp?

TM: Es gibt so viele Autoren und Bücher, die mir gefallen; von Frank Schätzing bis David Safier. Meine derzeitigen Favoriten sind „Epochenwende“ von Meinhard Miegel und „Music Lesson“ von Victor Wooten.

 

Planen Sie noch weitere Bücher? Wenn ja, worum wird es gehen?

TM: Zurzeit ist kein weiteres Buch geplant, aber wer weiß was kommt.

 

Kann man Ihnen auch Anekdoten aus der eigenen Schulzeit zuschicken?

TM: Darüber würde ich mich natürlich riesig freuen. Vielleicht ergibt sich daraus dann auch eine Antwort auf die vorherige Frage.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview mit Thomas Maiwald führte Mathias Rätsch auf digitalen Wegen, weil beide mittlerweile den kurzen, schnellen Dienstweg zu schätzen wissen. Inoffiziell sagen sie jetzt auch wieder „Du“ zueinander.

 

 

Mehr Informationen über Autor und Illustrator unter >> Deutsch und Kunst.